Planlos?
„Da steh ich nun, ich armer Tor, … “ frei nach Johann Wolfgang von Goethe dachte anfangs auch der Dachwirt als er begann, eine Photovoltaik-Anlage zu planen. Was braucht man? Wieviel ist sinnvoll? Usw.
Wenn technisch möglich, werden PV-Anlagen häufig nach einer bewährten Formel dimensioniert: Jahresstromverbrauch dividiert durch 1000 ergibt die optimale „Kilowatt Peak Leistung (kWp)“. Das ist die maximale Produktionsleistung bei optimalen (Labor-)Bedingungen. Den Jahresverbrauch kann man der Jahresstromabrechnung entnehmen. Bei einem Jahresverbrauch von beispielsweise 5000 kWh Strom würde eine PV-Anlage mit ca. 5 kWp geplant werden. Mit diesem Wissen kann nun geprüft werden, wieviel Platz auf dem Dach für Photovoltaik-Paneele genutzt werden kann. Für aktuelle Standard-PV-Paneele muß man eine Abmessung von ca. 1,7m x 1m einplanen. Moderne Paneele leisten derzeit ca. 350-400W. 14 Paneele würden also 4,9 bis 5,6 kWp schaffen.
Von einer 5 kWp-Anlage kann man unter normalen Umständen erwarten, dass sie drei zugleich aufgedrehte Herdplatten eigenversorgen sowie einen Jahresertrag von ca. 5000 kWh bringen kann. Leider ist es aber nicht so, dass damit die Stromrechnung auf Null reduziert werden kann! Manche Tage sind wolkenverhangen oder nebelig. In der Nacht wird überhaupt kein Strom produziert. Viele Menschen sind tagsüber berufstätig und machen abends ihren Haushalt. Usw. Durchschnittliche Photovoltaikanlagen decken 30–40% des Stromverbrauchs ab. Die laufende Stromrechnung würde also um ungefähr ein Drittel reduziert werden. Es macht also Sinn, starke Stromverbraucher (Geschirrspüler, Waschmaschine, Wäschetrockner usw.) möglichst tagsüber bei Sonnenschein zu starten, um dieses Ergebnis zu verbessern.
Alle angeführten Zahlen entsprechen Durchschnittswerten. Sie werden von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wie die Ausrichtung der PV-Paneele, Dachneigung, Verschattungen aufgrund von Bäumen oder Gebäuden, tatsächlichem Strombedarf, Stromnutzungsprofil… usw.
Bei der Planung und Montage einer Photovoltaik-Anlage kann durchaus einige Eigenleistung erbracht werden. Doch die finale Bauplanung und die E-Anschlüsse sind ausnahmslos Angelegenheiten für Experten. Fragen der elektrische Absicherung, des Brandschutzes, des Blitzschutzes, der Sturmsicherung usw. sind zu berücksichtigen. Einspeisung an den Energieversorger sowie Förderungen sind nur mir Abnahmebefunden und Montagerechnungen eines Professionisten möglich.
Elektro Sodl aus Dörfles hat der Flut an Fragen des Dachwirts standgehalten. Und weil er das Haus auch kannte, hat er gerne angenommene Sonderlösungen vorgeschlagen.
Mittlerweile wagt der Dachwirt selbst den Dichterfürsten Goethe zu korrigieren: „… und bin heute klüger als zuvor!“
meint derdachwirt, 01.03. 2022
Linktipp:
Einfache Formeln für die Planung einer Photovoltaik.